![]() 06.01.2000 |
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Von Pascal Beucker |
Es sei
das erste Mal seit 1945, "dass in einem
westeuropäischen Land das Erscheinen einer Tageszeitung
per Gerichtsbeschluss gestoppt wird", empört sich 20
Minuten Köln-Chefredakteur Klaus Kelle am Tag
danach. Doch aufgeben will die Gratis-Tageszeitung des
norwegischen Schibsted Verlages nicht. Obwohl das
Berliner Landgericht am Dienstag eine vom Axel Springer
Verlag erwirkte einstweilige Verfügung gegen die
Verbreitung von 20 Minuten Köln bestätigt hat,
erschien das Blatt auch am Mittwoch unverdrossen. Um
nicht als vollwertige Zeitung zu erscheinen, fehlten
allerdings wie in den vergangenen Tagen alle
Lokalmeldungen. Die Seiten 2 und 3 blieben weiß - bis
auf einen Auszug aus dem Grundgesetz: "Jeder hat das
Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu
äußern und zu verbreiten ..." Für dieses Recht will 20 Minuten Köln "notfalls durch alle rechtlichen Instanzen gehen - bis hin zum Verfassungsgericht oder auch zur EU-Kommission", erklärte Kelle. Zunächst muss nun das Berliner Kammergericht über den Widerspruch des Schibsted Verlages gegen das Landgerichtsurteil entscheiden. Bis dahin soll 20 Minuten Köln möglicherweise nur noch "an ein, zwei oder drei Tagen in der Woche" erscheinen, so Kelle. Den Vorwurf Schibsteds, dass Springer eine Tageszeitung verbieten lassen wolle, wies Springer-Sprecherin Edda Fels gegenüber der taz als "abstrus" zurück. Es ginge nur "um das Verbot eines bestimmten Vertriebsweges", da die massenweise Verteilung von Gratiszeitungen wettbewerbswidrig sei. Köln Extra, Springers publizistische "Abwehrmaßnahme" auf 20 Minuten Köln, soll allerdings "so lange weiter erscheinen, wie Schibsted sich nicht an die Wettbewerbsregeln hält". Heute zieht auch noch Marktführer Dumont-Schauberg, Verlag von Kölner Stadtanzeiger, Kölnischer Rundschau und der Boulevardzeitung Express, mit einem eigenen Kostenlosblatt, dem Kölner Morgen, nach. |
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