![]() 31.05.2013 |
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Von Pascal Beucker und Anja Krüger |
Die rechtsextreme "Bürgerbewegung Pro Köln" will den Christopher Street Day nutzen, um antiislamische Propaganda zu verbreiten. Die Veranstalter wehren sich.
Unter dem Motto „Proud to be Kölsch“ plant
die Stadtratsfraktion der rechtsextremistischen Vereinigung, den
CSD für ihre rassistische Kampagne gegen „Islamisierung und
Überfremdung“ zu instrumentalisieren. Ihr Wagen werde mit einem
großen „Moscheeverbotsschild“ ausstaffiert sein, kündigte sie
an. „Mit 'Pro Köln' wird es zurück zu den Wurzeln des CSD gehen,
zum politischen Kern sozusagen: Gegen die Bedrohung oder sogar
körperliche Angriffe auf Homosexuelle, die sich heute vor allem
vor zugewanderten islamistischen Fanatikern in unseren
Großstädten fürchten müssen“, sagte Fraktionsgeschäftsführer
Markus Wiener. Als „besonders perfide“, bezeichnet der grüne
Bundestagsabgeordnete Volker Beck die Ankündigung. "Pro Köln"
versuche damit, „Minderheiten gegeneinander auszuspielen“. Beck
sagte weiter, „für diese Partei sind Minderheiten generell
verabscheuungswürdig – heute sind es Ausländer, morgen wieder
Schwule und Lesben“.
„Zutiefst heuchlerisch“ Auch die Linkspartei-Abgeordnete Ulla Jelpke
ist empört. „Der angekündigte Auftritt von 'Pro Köln' ist nicht
nur eine Provokation für die übrigen Teilnehmer der Parade,
sondern auch zutiefst heuchlerisch“, sagte Jelpke. Denn in
Wirklichkeit gehe es der Vereinigung „nur darum, ihre
antimuslimischen Hetzparolen nun unter den Deckmäntelchen des
CSD zu verbreiten“. Bislang ist die selbsternannte
„Bürgerbewegung“ nicht gerade als Vorreiterin für die Rechte von
Schwulen und Lesben in Erscheinung getreten. Stattdessen
wetterte sie stets mit Inbrunst gegen die „Homo-Lobby“ und
lehnte die finanzielle und ideelle Unterstützung
schwul-lesbischer Projekte konsequent ab. „Neben den abwertenden
Äußerungen zu Ausländern oder Personen mit Migrationsgeschichte
agitiert ’pro Köln e.V.‘ auch gegen sexuelle Minderheiten“,
heißt es im nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzbericht.
„Homosexuelle werden subtil verächtlich gemacht und durch
diffamierende Formulierungen herabgesetzt.“
Außerordentliche Mitgliederversammlung Am kommenden Dienstag findet eine
außerordentliche Mitgliederversammlung des Kölner Lesben- und
Schwulentags (KLuST), dem Veranstalter des Cologne Pride, statt.
„Dort werden wir entscheiden, wie wir mit 'Pro Köln' umgehen“,
sagte Uli Breite, Fraktionsgeschäftsführer der FDP im Kölner
Stadtrat und früherer Vorsitzender des schwul-lesbischen
Sportvereins FC Janus. „Wir dürfen uns von Rechtsradikalen nicht
vorschreiben lassen, wie wir unsere Parade zu gestalten haben“,
sagte er. Breite ist davon überzeugt, dass "Pro Köln"
gar nicht an der Parade teilnehmen, sondern etwas anderes
erreichen will: dem CSD den Charakter als politische
Demonstration nehmen. „Sie wollen einen Grund finden, um vor
Gericht ziehen zu können.“ Der FDP-Politiker hofft, dass ein vom KLuST in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten zu dem Ergebnis kommt, dass die Veranstalter "Pro Köln" juristisch wasserdicht die Teilnahme verwehren können. Sollte das nicht der Fall sein, müsse man ein kluge Lösung finden. „Zum Glück können die ja nicht selbst bestimmen, wo sie in der Parade mitgehen“, sagte FDP-Mann Breite. |
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