![]() 14.03.2013 |
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Kommentar von Pascal Beucker |
Ja, bei „Pro NRW“ handelt es sich um
rassistische Brandstifter. Das ändert nichts daran, dass der
Staat auch sie schützen muss. Was er auch getan hat. Ein größeres Geschenk hätte „Pro NRW“
nicht gemacht werden können. Das aufgedeckte Mordkomplott der
Salafisten gegen den Vorsitzenden Markus Beisicht hat der
rechtsextremen Splitterpartei Schlagzeilen beschert, von der sie
bislang nur träumen konnte. Und schon wird der Leverkusener
Rechtsanwalt von seinen Parteigängern als der „mutigste
Politiker Europas“ gefeiert. Todesmutig verteidige er das
christliche Abendland gegen die islamischen Horden. Dabei haben
die Salafisten mit dem Islam so viel zu tun, wie die „Deutschen
Christen“ einst mit dem Protestantismus. Wenn auch verspätet, jetzt ist die
Strategie von „Pro NRW“ aus dem letzten Jahr also doch noch
aufgegangen. Auf „maximale Provokation“ wollten sie ihren
Wahlkampf damals auslegen, „bis an die Schmerzgrenze“ wollten
sie gehen. So hatte es Beisicht angekündigt. Und seine Truppe
marschierte mit der berühmt-berüchtigten Mohammed-Zeichnung von
Kurt Westergaard im Gepäck vor Moscheen und anderen islamischen
Einrichtungen auf. Unter dem Schutz der Meinungsfreiheit und
des Demonstrationsrechts sowie gut gesichert von polizeilichen
Großaufgeboten zielte „Pro NRW“ darauf ab, die
radikalislamistische Szene bis aufs Blut zu reizen. Das ist ihr
gelungen. Die ersten Opfer waren jene zwei Polizisten, die im
Mai 2012 vor der Bonner König-Fahd-Akademie von einem
blindwütigen salafistischen Messerstecher schwer verletzt
wurden. Nun wäre es Beisicht wohl beinahe selbst an den Kragen
gegangen. Selbst dran schuld? Nein, das wäre eine
gänzlich inakzeptable Sichtweise. Keine Frage: Beisicht und
seine Biedermänner sind Brandstifter. Doch wenn es um die
körperliche Unversehrtheit eines Menschen geht, hört jeder Spaß
auf. Für einen geplanten Mord gibt es erst recht keinerlei
Rechtfertigung. So haben die Anschlagspläne auf Markus Beisicht
nur einen einzigen erfreulichen Aspekt: Mit ihrer rechtzeitigen
Aufdeckung haben die Sicherheitsbehörden gezeigt, dass sie die
große Gefahr, die von Teilen der salafistischen Szene ausgeht,
erkannt haben. Der Holocaust-Überlebende und scharfe
Islamkritiker Ralph Giordano hat aus gutem Grund die
„Pro-Bewegung“ als eine „zeitgenössische Variante des
Nationalsozialismus“ bezeichnet. Beisicht und seine
Gesinnungsgenossen hätten viel mit den islamistischen Fanatikern
gemeinsam, seien „Brüder und Schwestern im totalitären Ungeist“.
Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied: die schier grenzenlose Gewaltbereitschaft innerhalb der salafistischen Szene. Wer bei den Bonner Ausschreitungen im vergangenen Jahr in die völlig verhetzten Gesichter geschaut hat, weiß, welche Gefahr von diesen Islamofaschisten ausgeht. Sie schreien “Tod den Ungläubigen!“ – und meinen das todernst. |
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