![]() 14.03.2013 |
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Von Pascal Beucker und Wolf Schmidt |
TERROR Salafisten wollten offenbar
den Chef der rechtsextremen Partei "Pro NRW" töten. Bundesweite
Razzien bei Islamisten In Nordrhein-Westfalen haben Islamisten
offenbar einen Mordanschlag auf den Chef der rechtsextremen
Partei "Pro NRW" Markus Beisicht geplant. Vier Salafisten seien
festgenommen worden, gab der Essener Staatsschutz bekannt. Von Mittwoch um 6 Uhr an durchsuchten
Polizisten unter anderem in Solingen, Düsseldorf und Frankfurt
die Wohnungen von 20 Männern und Frauen, beschlagnahmten
Computer, Handys, Geld und Propagandamittel. Zwischen den Razzien gegen die
Salafistenszene und den Plänen zu einem Mordanschlag gibt es
nach Angaben von Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) jedoch
keinen unmittelbaren Zusammenhang. Die Anschlagspläne zeigten
aber, "dass es richtig ist, gegen salafistische Vereine
vorzugehen". Zum zweiten Mal in seiner Amtszeit geht
Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) mit einem
Vereinsverbot gegen die salafistische Szene vor. Von Mittwoch um
6 Uhr an durchsuchten Polizisten unter anderem in Solingen,
Düsseldorf und Frankfurt die Wohnungen von 20 Männern und
Frauen, beschlagnahmten Computer, Handys, Geld und
Propagandamaterial. Rund 120 Beamte waren in Nordrhein-Westfalen
und Hessen im Einsatz. Verboten wurden drei islamistische Gruppen,
von denen aber nur eine von größerer Bedeutung ist: „DawaFFM“ um
den 41-jährigen Salafistenprediger Abdellatif Rouali, der sich
selbst „Sheikh Abdellatif“ nennt. Die 2008 gegründete Gruppe aus
Frankfurt am Main befand sich schon länger im Visier der
Sicherheitsbehörden. Sie war stark missionarisch aktiv, betrieb
intensive Jugendarbeit, organisierte Fußballturniere,
Grill-Events und bundesweite Seminare. Ihr Logo: Ein Schriftzug
im Graffiti-Stil, dazu die Skyline von Frankfurt, verdeckt von
in den Himmel ragenden Minaretten. Das wäre für sich freilich wenig
problematisch. Laut Innenministerium hat die Gruppe jedoch
andere Religionen für minderwertig erklärt und dazu aufgerufen,
diese zu bekämpfen. „DawaFFM“ richte sich „gegen die
verfassungsgemäße Ordnung sowie den Gedanken der
Völkerverständigung“, heißt es in der Verbotsverfügung. Ein
ranghoher Sicherheitsbeamter formuliert es so: „Es gibt ein
bestimmtes Maß an Unerträglichkeit, ab dem man Hetze und
Propaganda einen Riegel vorschieben muss.“
„Lass es schmerzhaft sein“ So fanden die Behörden bei einer Razzia,
die bereits im vergangenen Jahr stattgefunden hat, in größerer
Stückzahl Bücher, in denen das Schlagen von Frauen und das Töten
von „Abtrünnigen“ rechtfertigt werde. Zudem soll „DawaFFM“ im
Internet Videos verbreitet haben, in denen die Vernichtung von
Juden, US-Amerikanern und der von den Salafisten verhassten
Schiiten herbeigesehnt werde. „Oh Allah, zerstöre sie und lass
es schmerzhaft sein“, heißt es laut Verbotsverfügung in einer
Hymne in einem dieser Videos. Eine Rolle für das Verbot von „DawaFFM“ hat
nach Angaben aus Sicherheitskreisen auch gespielt, dass der
Frankfurter Flughafenattentäter Arid Uka, der im März 2011 zwei
US-Soldaten erschoss, in Kontakt mit Propaganda der Gruppe
gekommen war. Nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft hatte
Uka sowohl im Internet Vorträge des DawaFFM-Chefpredigers
gehört, als auch einige Male dessen Veranstaltungen besucht.
Persönlich gekannt haben sollen sie sich aber nicht. Salafisten propagieren einen vermeintlichen
Ur-Islam mit strengen Regeln für alle Bereiche des Lebens. Ein
kleinerer Teil der Szene propagiert den bewaffneten Dschihad
gegen die „Ungläubigen“ und westlichen „Kreuzritter“ in Ländern
wie Afghanistan und Mali. Der Verfassungsschutz geht von 4.500
Salafisten in Deutschland aus – bei mehr als 4 Millionen
Muslimen insgesamt. Verbote radikaler Vereine dienten daher
„auch dem Schutz der übergroßen Zahl friedlicher Muslime“,
findet Innenminister Friedrich. Im vergangenen Jahr hatte er nach
Straßenschlachten von Salafisten in Solingen und Bonn bereits
die besonders radikale und offen Gewalt befürwortende Gruppe
„Millatu Ibrahim“ verboten. An diesem Mittwoch wurde nun der
salafistische Spendensammelverein „an-Nussrah“ mit Sitz in
Nordrhein-Westfalen als Teilorganisation dieser Truppe ebenfalls
aufgelöst.
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