![]() 13.03.2013 |
Startseite taz |
![]() |
Von Pascal Beucker |
ÜBERLÄUFER
Auf einer Kampagnentour der "Bürgerbewegung Pro NRW" gegen
Flüchtlinge schwenken Noch-Piraten ihre orange Fahnen
Der Hintergrund: Die "Pro-Bewegung" hat in den vergangenen Wochen und Monaten Zulauf bekommen. Laut eigenen Angaben sollen "bereits über 20 Piratenmitglieder zu ,Pro Köln' oder ,Pro NRW' gewechselt" sein, darunter die früheren Pressesprecher der Piraten in Duisburg und Köln, Andreas Winkler und Oliver Wesemann. "Pro NRW"-Chef Markus Beisicht hofft auf weitere Zugänge. Sein rechtsextremer Verein vertrete "heute effektiv das, was früher von der Piratenpartei gefordert wurde, bevor sich diese in eine links unterwanderte Chaostruppe verwandelte". Für eine "offensichtliche und plumpe
Provokation" hält das Piraten-Bundesvorständler Klaus Peukert.
Bei den Überwechslern handele sich um "rechtsextreme Spinner,
die sich in die Piratenpartei verirrt hatten". Falls es sich um
Nochmitglieder der Piratenpartei handele, würden "diese kurz und
schmerzlos aus der Partei geworfen werden". Es sei "völlig klar,
dass die Werte und Grundsätze der Piratenpartei und ihrer
Mitglieder mit den rechtsextremen Positionen der Wählergruppe
und ihrer Anhänger nicht vereinbar sind". Auch der nordrhein-westfälische Landesverband
verurteilte das Schwenken von Piratenflaggen auf den
"Pro"-Kundgebungen am Wochenende in Bochum und Essen "aufs
Schärfste". Piraten, die sich auf Veranstaltungen von "Pro NRW"
mit dieser Organisation solidarisierten, müssten mit der
unverzüglichen Einleitung eines Ausschlussverfahrens rechnen.
Zwar erlaube die Satzung der Piratenpartei durchaus die
Mitgliedschaft auch in anderen Parteien. Aber: "Rechtsextremes
Gedankengut, wie bei ,Pro NRW' oder ,Pro Köln', tolerieren wir
nicht, sagte Piraten-Landesvize Christina Herlitschka. Ob tatsächlich so viele Piraten zur
"Pro-Bewegung" gewechselt sind, wie diese behauptet, ist höchst
fraglich. Von "extremen Einzelfällen" spricht vielmehr die
Piratenpartei. "Es ist schade, dass das so aufgebauscht wird",
sagt Thomas Hegenbarth, Vorsitzender der Kölner Piraten. "Wenn
jemand von uns zu den ,Pro'-Leuten geht, ist das so, als ob der
Papst morgen Atheist wird." Gleichwohl ziehe eine junge Partei
mitunter auch problematische Menschen an, das sei nicht zu
verhindern. "Wenn man mitmachen will, kann man mitmachen."
Manchmal dauere es eine Zeit, bis man erkenne, welche
Auffassungen jemand vertrete. Das sei auch der Grund gewesen, warum der
erst kurz zuvor in Köln aktiv gewordene Oliver Wesemann im
September 2012 zum Pressesprecher des Kreisverbandes gewählt
worden sei. "Wir wussten nicht viel von ihm, haben ihn
ausprobiert und dann festgestellt: Das geht nicht", konstatiert
Hegenbarth. Nach nur drei Wochen habe das frühere Mitglied der
Jungen Union zurücktreten müssen, da ihm sexistische Äußerungen
sowie Verbindungen zu "Pro-Köln"-Mitgliedern vorgeworfen worden
waren. Seither sei Wesemann vor allem durch
abfällige Bemerkungen über die Piratenpartei im Allgemeinen und
die Kölner Piraten im Besonderen aufgefallen. "Ich habe den
Eindruck, der ist nur bei uns eingetreten, um uns von innen zu
zerstören und zu zersetzen", so Hegenbarth. "Der hat sich
verhalten wie ein U-Boot." Gegen Wesemann, der seine
Piraten-Mitgliedschaft nur ruhen lässt, wurde inzwischen ein
Ausschlussverfahren eingeleitet. Am 23. März endet die "Pro NRW"-Propagandatour vor einer Flüchtlingsunterkunft im Kölner Stadtteil Weiden. Dann werden sich Wesemann und Hegenbarth wohl wiedersehen - allerdings auf unterschiedlichen Seiten der Barrikade. "Wir werden uns genau da wiedersehen, wo wir die vergangenen Jahre schon standen: auf der anderen Seite der Straße, im Bündnis gegen die ,Pros' ", kündigt Hegenbarth an. |
© Pascal Beucker. Alle Rechte an Inhalt, Gestaltung, Fotos liegen beim Autor. Direkte und indirekte Kopien sowie die Verwendung von Text und Bild nur mit ausdrücklicher, schriftlicher Genehmigung des Autors. |