![]() 10.02.2012 |
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Von Pascal Beucker |
Um Bürgerstimmen gegen den EU-Beitritt der Türkei zu sammeln, hat die rechte Organisation "Pro Köln" Postkarten verschickt. Die Aktion könnte dank Facebook teuer werden. Immer wieder versucht die rechtsextreme
"Bürgerbewegung Pro Köln" mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen von
sich reden zu machen. Ihre neueste Idee: Die braune Truppe sammelt
Unterschriften für eine Petition gegen den Beitritt der Türkei in
die Europäische Union. Dafür verteilt sie Postkarten an Kölner
Haushalte. Der Rücklauf könnte höher sein als erwartet. Zum
Leidwesen von "Pro Köln". Auf den ersten Blick unterscheidet die Karte nur
wenig von der üblichen Propaganda, mit der "Pro Köln" schon seit
Jahren in der Domstadt gegen alle hetzt, die anders denken, glauben
und leben. Auf der Vorderseite wird beklagt, dass inzwischen
Millionen Muslime in Westeuropa lebten. Die altbekannte Leier: Da
ist die Rede davon, dass täglich "Tausende nicht integrierbare
Menschen" hinzukämen und Schluss sein müsse mit der "Zuwanderung in
die ohnehin überlasteten Sozialsysteme". Auf der Rückseite können die Empfänger dann
bekunden ebenfalls gegen die Aufnahme der Türkei in die EU zu sein.
Außerdem sollen sie ihre Anschrift, Telefonnummer und E-Mail-Adresse
angeben. Der Hauptzweck der Sammelaktion dürfte für die
selbst ernannte "Bürgerbewegung" mal wieder sein, ihre
Sympathisanten-Kartei aufzufüllen. Doch es gibt einen kleinen, aber
feinen Unterschied gegenüber früheren Verteilaktionen: Um möglichst
viele Empfänger dazu zu bewegen, die Karten mit ihrer An- und
Unterschrift zurückzuschicken, prangt diesmal an jener Stelle, wo
gemeinhin eine Briefmarke geklebt wird, ein besonderer Vermerk:
"Bitte mit 45 Cent freimachen, falls Briefmarke zur Hand." Pro Köln pleite? Und genau dieser kleine Hinweis könnte der
rechten Gruppierung jetzt zum Verhängnis werden. Denn eine der so
beschrifteten Karten landete im Briefkasten eines "Pro Köln" nicht
allzu wohlgesonnenen Kölners. Und der hatte einen Einfall: "Wenn ich eine nette
Botschaft auf die Karte schreibe, wie z.B. 'Sc*****', und diese in
den Briefkasten werfe, dann hat ProKöln: 1. Keinen weiteren
Petitionsunterzeichner, 2. 45 Cent Porto für die Postkarte bezahlt",
schrieb er auf Facebook. "Und wenn ich mir jetzt überlege, dass das
vielleicht auch noch ein paar hundert oder tausend oder
hunderttausend andere Menschen machen, dann wäre das irgendwie total
blöd für Pro Köln und das fände ich persönlich dann irgendwie wieder
total gut!!" Die frohe Erwartung des Facebook-Users: "Vielleicht kann man ja in ein paar Wochen in der Zeitung lesen: Pro Köln pleite wegen unüberlegter Postkarten-Aktion". Ganz abwegig ist das nicht. Durch die Einschränkung "falls Marke zur Hand" sei die Organisation eine "Vorausverfügung" eingegangen und habe sich damit verpflichtet, die Portokosten für jede einzelne unfrankiert zurückgesandte Karte zu tragen, heißt es von der Post. Der Facebook-Vorschlag, die rechten Postkarten ohne Unterschrift unfrankiert zurückzuschicken, erfreut sich denn auch bereits einiger Beliebtheit. Kölns DGB-Vorsitzender Andreas Kossiski hat ihn bereits gepostet, versehen mit der süffisanten Bemerkung: "Das kann teuer werden!" |
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