![]() 27.09.2006 |
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Von
Pascal Beucker |
Die
selbst ernannte "Bürgerbewegung Pro
Köln" sei nicht mehr ein "Außenseiter, sondern in
der Mitte der
Gesellschaft" angekommen, verkündete gestern vollmundig deren
Vorsitzender Markus Beisicht. Bei aller Aufschneiderei: Die
über 11.000
Unterschriften für das Bürgerbegehren gegen den
geplanten Bau einer
Großmoschee in Köln-Ehrenfeld sind ein Alarmzeichen.
Zumal manches
dafür spricht, dass auch noch der fehlende Rest zusammen
kommen wird.
Denn die Strategie der Rechtsextremisten scheint aufzugehen:
Die diffusen Ängste in Teilen der Mehrheitsgesellschaft zu
schüren und
sich als die einzigen Sachwalter der Interessen der "kleinen Leute" zu
gerieren. Dabei versuchen sich die gefährlichen Brandstifter
als
harmlose Biedermänner zu verkaufen. Mit ihrem
Bürgerbegehren gegen die
geplante Großmoschee in Köln-Ehrenfeld leistet "Pro
Köln" laut Beisicht
doch nur einen "Dienst am Gemeinwesen, an der Demokratie". Das
Gegenteil ist richtig. Denn die vermeintlichen "Nonkonformisten" sind
dabei, nachhaltig das gesellschaftliche Klima in der Domstadt zu
vergiften. So kann es denn auch nur als Drohung verstanden werden, wenn Beisicht behauptet, seine braune Truppe sei inzwischen "Teil der politischen Kultur in dieser Stadt". Denn seine Vereinigung hetzt gegen alle, die anders leben, glauben und denken. Sie wettert gegen die "politische Klasse" und die "Altparteien". Sie bezeichnet unliebsame Journalisten als "Schreibtischtäter". Sie geifert gegen die "Homo-Lobby", gegen Drogenkranke, gegen "Zigeuner", gegen Prostituierte ebenso wie gegen Wehrmachtsdeserteure. Und selbstverständlich immer wieder gegen Migranten, "in deren Dunstkreis Extremismus und Terrorismus gedeihen können". In einer demokratischen Gesellschaft muss auch solche unerträgliche Propaganda rechter Rattenfänger bisweilen hingenommen werden. Aber sie darf niemals Teil der politischen Kultur werden. Weder in Köln noch anderswo. |
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